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Automatische Gedanken sind spontane und oft unbewusste Gedanken, die blitzschnell in unserem Geist auftauchen und direkt auf bestimmte Situationen oder Ereignisse reagieren. Diese Gedanken sind in der Regel stark gefühlsbetont und können positiv, negativ oder neutral sein. Automatische Gedanken sind eng mit unseren Überzeugungen, Einstellungen und Selbstwahrnehmungen verbunden.

In der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) spielt das Konzept der automatischen Gedanken eine zentrale Rolle. Entwickelt von Aaron T. Beck, einem der Begründer der KVT, betont diese Therapieform
die Wechselwirkung zwischen Gedanken, Gefühlen und Verhalten. Automatische Gedanken sind dabei ein Schlüsselmerkmal, da sie direkte Auswirkungen auf unsere Emotionen und Handlungen haben.

Die KVT nutzt das Konzept der automatischen Gedanken, um negative Denkmuster zu identifizieren und zu überprüfen. Wir Menschen neigen oft dazu, automatische Gedanken als unumstößliche Wahrheiten
zu akzeptieren, ohne sie zu hinterfragen. Die Therapie zielt darauf ab, diese Gedanken bewusst zu machen und kritisch zu überprüfen. Durch die Anwendung von sogenannten „sokratischen Fragen“ wird der Klient ermutigt, die Beweise für und gegen seine automatischen
Gedanken zu analysieren, alternative Perspektiven zu betrachten und realistischere Schlussfolgerungen zu ziehen.

Die Identifikation und Umstrukturierung automatischer Gedanken ermöglichen es dem Einzelnen, positive Denkmuster zu fördern und adaptive Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Dieser Prozess unterstützt
nicht nur dabei, aktuelle Probleme besser zu bewältigen, sondern trägt auch dazu bei, langfristig eine positivere Einstellung und einen gesünderen Umgang mit stressigen Situationen zu entwickeln.

Die Kognitive Verhaltenstherapie bietet somit einen strukturierten Ansatz, um Menschen dabei zu helfen, ihre Gedankenmuster zu verstehen, negative Denkweisen zu überwinden und ihre emotionale Reaktion
auf verschiedene Lebenssituationen zu verbessern. Durch die Integration von Techniken zur Veränderung automatischer Gedanken leistet die KVT einen wertvollen Beitrag zur Förderung der psychischen Gesundheit und zum Aufbau von langfristigen Bewältigungsstrategien.

Beispiel für einen negativen automatischen Gedanken und wie dieser in der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) überprüft wird:

Situation: Eine Person ist zu einer Party eingeladen, bei der sie viele neue Leute kennenlernen wird.

Automatischer Gedanke: „Ich werde mit Sicherheit etwas Dummes sagen oder mich peinlich verhalten. Die anderen werden mich nicht mögen, und ich werde mich total unwohl fühlen.“

Wie dieser Gedanke in der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) überprüft wird:

  1. Beweise sammeln: Die Therapie ermutigt dazu, konkrete Beweise für oder gegen den automatischen Gedanken
    zu finden. In diesem Fall könnte die Person überlegen, ob es tatsächlich Beweise dafür gibt, dass sie in sozialen Situationen immer etwas Dummes sagt und sich peinlich verhält.
  2. Alternative Perspektiven: Die KVT fördert das Betrachten der Situation aus verschiedenen Blickwinkeln. Die Person könnte darüber nachdenken, ob es auch positive oder neutrale Möglichkeiten gibt, wie das soziale Event verlaufen könnte. Vielleicht hat sie in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht oder es gibt keinen Grund anzunehmen, dass andere sie negativ beurteilen würden.
  3. Realistischere Schlussfolgerungen ziehen: Anhand der gesammelten Beweise und alternativen Perspektiven kann die Person dazu angeleitet werden, realistischere Schlussfolgerungen zu ziehen. Statt absolut negativer Annahmen könnte sie in Betracht ziehen, dass sie sich gut schlagen könnte und die anderen Menschen sie vielleicht mögen könnten.
  4. Hilfreiche Konsequenzen: Der neue Gedanke „Ich werde mich wahrscheinlich ganz okay schlagen. Die anderen werden mich nicht aufessen“ sollte nun möglichst auch in der Praxis getestet werden. Der Besuch der Party, das Zugehen auf andere Gäste und sich auf Gespräche einlassen, kann hilfreich sein, um den Gedanken auf Herz und Nieren zu prüfen.

Die KVT zielt darauf ab, solche automatischen Gedanken zu entlarven, ihre Verzerrungen zu korrigieren und adaptive Denkmuster zu fördern. Dies geschieht oft am besten durch konkretes Ausprobieren
in der Realität. Dieser Prozess trägt dazu bei, negative emotionale Reaktionen zu verringern und das Verhalten in herausfordernden Situationen positiv zu beeinflussen.