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Wir alle haben gelernt, unangenehme oder gefährliche Situationen zu verlassen oder schon im Vorhinein zu vermeiden. Das sind durchaus sinnvolle und manchmal lebensrettende Strategien, wenn wir realen Gefahren ausgesetzt sind. Auch bei, für uns als schwierigen und als unangenehm empfunden Ereignissen, versuchen wir durch Vermeidung Kontrolle über unsere Gefühle zu erlangen, um weniger unter ihnen zu leiden. Das Paradoxe bei der Vermeidung von negativen Gedanken und Gefühlen ist jedoch, dass diese in der Regel stärker werden, je mehr wir sie bekämpfen. Wir strengen uns wirklich an, die Gefühls-Monster nicht zu spüren, haben für einen kurzen Augenblick Erfolg und merken dann, dass noch sie noch wilder auftauchen als zuvor. Sehr häufig passiert dies in angstbesetzten Situationen, beispielsweise wenn ich fürchte, in einer wichtigen Teamsitzung angesprochen zu werden und mich dann mit meinem ungeschickten Verhalten zu blamieren.

Ganz typische Strategien in solchen Situationen sind, sich nahe an die Tür setzen, sich Notizen machen oder auf einem Block zu kritzeln, nichts zu sagen, dem Chef nicht in die Augen schauen, etwas trinken, innerlich herunter beten, dass alles gleich vorbei ist, auf die Uhr gucken, mit den Beinen wackeln, klein geduckt in eine verkrampfte Haltung einnehmen. All diese Strategien, helfen mir die Teamsitzung einigermaßen unbeschadet durchzustehen, halten jedoch meine Angst aufrecht, sie „füttern“ sie gerade zu. Denn ich vergegenwärtige mir mit meinem „unnatürlichen“ Verhalten ständig, dass ich einer Gefahr ausgesetzt sei. Mein Körper ist in Alarm-Bereitschaft, ich belasse mich in einem ängstlichen angespannten Stimmung, fokussiere meine Gedanken auf die Kontrolle der Situation. Ich befinde mich in einen sogenannten Teufelskreis. In der Verhaltenstherapie werden mit Hilfe sogenannter kognitiver Methoden die unangemessenen Gedanken, die zu einer übersteigerten Angst führen, herausgearbeitet und auf ihre Tauglichkeit überprüft. Anschließend werden alternative, funktionale Möglichkeiten die angstbesetzte Situation zu bewerten erarbeitet und so flexibleres Denken ermöglicht.

Um aus den Teufelskreis der Angst ausbrechen zu können, wird das vermeidende Verhalten in den als gefährlich eingestuften Situationen genau herausgearbeitet und alternative, der Situation angemessene Handlungsweisen erprobt. In unserem obigen Beispiel könnte eine Aufgabe sein, dass ich mich mitten unter die Kollegen setze, die Teamsitzung bewusst verfolge, mich sogar aktiv zu Wort melde und meinen Gedanken „ich werde mich blamieren“ dabei bewußt als Gedanken, aber eben nur als Gedanken, wahrnehme. Diese Verfahren wird Konfrontation oder auch Expositionstherapie genannt. Die Exposition erfordert viel Mut und eine genaue Vorbereitung im Rahmen der therapeutischen Sitzungen, denn exponiert wird die Angst an sich und nicht die Situation oder der Ort. Es geht darum, keine Gegenmaßnahmen gegen die Angst zu ergreifen und somit die Angst vor der Angst zu verlieren. Eine gelungene Exposition ermöglicht es mich freier, aufmerksamer und neugieriger in meinem Lebensumfeld, etwa der wöchentlichen Teamsitzung, zu bewegen. Sie zeigt mir jedoch vor allem, dass das Weglaufen vor meinen Gefühlen nicht hilfreich ist, ich vielmehr das Selbstbewusstsein erlangt habe, ihnen ins Auge zu sehen.