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Angehörige von seelisch Erkrankten sind verlässliche Partner an deren Seite

Lang ist es her, dass Angehörige von psychisch Erkrankten nur aus der Perspektive betrachtet wurden, in wieweit sie zur Entwicklung der Erkrankung beigetragen haben. Klar. Die Erfahrungen mit den Eltern sind prägend. Wie groß diese Bedeutung ist, kann nur individuell beantwortet werden.

Die Verwandten sind zumeist diejenigen, die an der Seite des Kranken bleiben, wenn Freunde sich zurückziehen, da sie sich überfordert fühlen. Diese Begleitung kostet die Angehörigen Kraft, was zu eigenen seelischen Problemen führen kann. Das Ausmaß der Belastung ist vor allem bei Psychosen und Depressionen untersucht worden. In einem Überblicksartikel von Jungbauer, Bischkopf und Angermeyer (Belastungen von Angehörigen psychisch Kranker. Psychiatrische Praxis, 28.03, 105-114.) trugen diese schon 2001 einige interessante Ergebnisse zusammen, die bis heute ihre Gültigkeit behalten haben.

  1. Alter, Bildung und Schichtzugehörigkeit beeinflussen das Ausmaß der psychischen Belastung kaum.
  2. Bei Patienten mit Psychosen tragen vor allem die Eltern die Belastungen, bei Depressionen die Partner.
  3. Die psychische Erkrankung stellt eine Verlusterfahrung für die Angehörigen dar (z.B. Autonomieverlust). Die Eltern müssen manche Zukunftserwartung revidieren.
  4. Es finden sich häufiger Infekte bei den Angehörigen. Ein Hinweis auf die verringerten Abwehrkräfte.
  5. Angehörige fühlen sich stärker, wenn sie für sich selbst Handlungsmöglichkeiten sehen.
  6. Die weite Mehrheit unterstützt die Betroffenen erfolgreich.
  7. Belastungserleben ist sehr subjektiv und steht in keinem eindeutigen Zusammenhang zur Schwere der Erkrankung. Es sollte immer ein zentrales Element einer erfolgreichen Therapie sein, die Angehörigen mit in die Behandlung einzubeziehen.